Portrait der Autorin Juli Zeh

Eine erfolgreiche Schriftstellerin und Juristin, die sich einmischt

11.02.2008 Ruth Lisa Knapp

Zeh richtet einen illusionslosen Blick auf Probleme unserer Gegenwart und liefert scharfsichtige Diagnosen. Wer ist diese vielseitige Frau, die früh erfolgreich wurde?

Juli Zeh wurde 1974 in Bad Godesberg geboren. Sie schrieb von Kind an, heimlich, entschied sich aber dann, das trockene Fach Jura zu studieren. 1998 schloss sie mit Bestnote ab und hängte noch ein Aufbaustudium zum Recht der Europäischen Integration an. Während ihres Referendariats absolvierte sie Stationen in Zagreb und Sarajewo, absolvierte ein Praktikum bei der UNO in New York und betrieb Osteuropastudien in Krakau.

Der erste Roman: Adler und Engel

Bereits 1996 schrieb sie sich am deutschen Literaturinstitut in Leipzig ein, das sie 2000 mit dem Diplom verließ. Als diplomierte Autorin begann sie, Kurzgeschichten und Essays zu veröffentlichen. 2001 war sie mit ihrem Debut-Roman „Adler und Engel“ auf Anhieb erfolgreich. Vor dem Hintergrund des Kriegs in Ex-Jugoslawien verstrickt sich ein junger Jurist in ein Netz aus internationaler Politik und Verbrechen. Der Roman ist Polit-Thriller, Krimi und verzweifelte Liebesgeschichte zugleich. Juli Zeh erhielt dafür den Deutschen Bücherpreis 2002. Zahlreiche weitere Preise folgten, unter anderen 2005 der Per Olof Enquist-Preis.

Juli Zehs Reise nach Bosnien

Im Sommer 2001 macht sich Juli Zeh auf eine Reise durch die vom Krieg zerstörten Länder des ehemaligen Jugoslawien. Die junge Frau, nur begleitet von ihrem Hund, will nachsehen, ob das „ein Ort ist, an den man fahren kann. Oder ob er zusammen mit der Kriegsberichterstattung verschwunden ist.“ Sie begegnet Menschen und Landschaften mit unvoreingenommenem Blick und schreibt über ihre sehr persönlichen Eindrücke den beeindruckenden Reisebericht „Die Stille ist ein Geräusch“. In Mostar, Sarajewo, Tuzla und Srebreniza, überall, an Gebäuden und Menschen, findet sie Spuren vom Krieg vor, aber auch die Gewissheit, dass das Leben weitergeht.

Tierische Begleiter

Apropos Hund: Juli Zehs Affinität zu Tieren ist ein weiteres Merkmal ihrer Persönlichkeit. Zusammen mit David Fink brachte sie ein „Kleines Konversationslexikon für Haushunde“ heraus. Denn auch Vierbeiner wollen ihr Wissen sammeln und anderen zugänglich machen, um sie beim Umgang mit ihren schwierigen menschlichen Freunden zu unterstützen. Von A wie Apport über L wie Liebe und R wie Religion geht es bis zu Z wie Zimmerpflanze, elegant formuliert und strikt aus der Hundeperspektive gesehen. 2006 war Juli Zeh Tierschutzbotschafterin für den Verein „Vier Pfoten“ und hielt sich als „artist in residence“ im Bärenpark Belitsa in Bulgarien auf.

Über Werteverlust: Jugendliche und Physiker

Der zweite große Roman „Spieltrieb“ erschien 2004. Er greift die Thematik einer jungen Generation auf, die unfähig zur Empathie ist. Zwei hoch intelligente Schüler, die sich von allen ethischen Werten gelöst haben, treiben ein grausames Spiel mit einem Lehrer. Auch hier eskaliert die Handlung bis zum Äußersten, endet aber halbwegs versöhnlich. Stilistisch zeigt sich Juli Zeh der Tradition des auktorialen Romans verpflichtet, ein mutiges Unterfangen zu einer Zeit, da sich kaum ein Autor mehr traut, das ganz große Panorama zu zeigen. Die Distanz zum Erzählten fällt auf und, vielleicht als Gegengewicht gedacht, die Verwendung vieler dynamischer Metaphern.

Ähnliches gilt auch für den neuen Roman „Schilf“ (2007): Oberflächlich ein Krimi, beschäftigt sich auch dieses Buch mit dem Problem persönlicher und gesellschaftlicher Werte. Die Protagonisten werden Extremsituationen ausgesetzt, die sie an die Grenzen menschlicher Möglichkeiten und Abgründe katapultieren. Bei einer Lesung aus „Schilf“ anlässlich des Göttinger Literaturherbsts betonte Juli Zeh allerdings die komischen Elemente der Geschichte. Über ihre Arbeitsweise äußerte sie, dass sie das gesamte Manuskript mehrmals umarbeiten musste und dann kurz vor Drucklegung die Schlusskapitel noch einmal neu schrieb. Ein wenig ist das dem Buch auch anzumerken.

Vom Schreiben zum Handeln

Mittlerweile hat Juli Zeh ihre juristische Karriere nicht vernachlässigt und promoviert. Ihre verstreut erschienenen Essays wurden 2006 unter dem Titel „Alles auf dem Rasen“ als Sammelband veröffentlicht. Es geht um Politik, Gesellschaft, Recht, Reisen und natürlich ums Schreiben. Vom Schreiben zum Handeln ist es für diese Autorin kein großer Schritt: Nach ihrer Bosnien-Reise organisierte sie einen Büchertransport in das kulturell benachteiligte Land und gab einen Sammelband mit Erzählungen junger bosnischer Autoren heraus. Anfang Februar 2008 reichte sie beim Bundesverfassungsgericht Beschwerde gegen Ex-Innenminister Otto Schily ein. Sie wirft ihm vor, wegen eigener wirtschaftlicher Interessen den biometrischen Pass mit Fingerabdrücken forciert zu haben. Außerdem habe die EU mit dieser Verordnung ihre Kompetenzen überschritten. Sie will sich nicht wie eine Verbrecherin behandeln lassen und hofft, mit ihrer Beschwere Erfolg zu haben.

Juli Zehs neuer, 2009 erschienener Roman "Corpus Delicti" hat die Gefahren einer Überwachungs- und Gesundheitsdiktatur zum Thema.

Mehr zu Juli Zeh auf ihrer Homepage und der Internetseite ihres Verlags Schöffling & Co.

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Die Autorin Juli Zeh, Verlag Schöffling und Co. Die Autorin Juli Zeh
   
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