Andreas Keck: Schneeblind

Roman über den Abgrund einer Depression

25.03.2008 Pia Helfferich

In „Schneeblind", dem Debütroman von Andreas Keck, erzählt Matthias von seinem Nischenleben in der Psychiatrie.

Das Leben von Matthias kann man getrost als ein völlig normales bezeichnen: gutes Elternhaus, erfolgreiche Schullaufbahn, ein paar hochfliegende Träume und ein begonnenes Studium. So weit, so gewöhnlich. Doch plötzlich reißt dieser Film, und ohne zu wissen, was da mit ihm passiert, taumelt Matthias in eine schwer zu ertragende Mischung aus Apathie und Weinkrämpfen. Als letzten Ausweg geben seine hilflosen Eltern ihn in der Klinik ab. Nun hat sich seine Welt komplett auf den Kopf gestellt. Hat er, der Student der Zoologie, früher Insekten beobachtet, so ist jetzt er das beobachtete Objekt, um dessen Bett sich Ärzte und Psychologiestudenten scharen.

In seinem Roman „Schneeblind“ lässt Andreas Keck seinen Ich-Erzähler Matthias von seinem Alltag in der Klinik und der Suche nach dem Kern seines Problems berichten. Nun könnte man befürchten, einem Depressiven zuzuhören, sei womöglich trist und traurig, doch weit gefehlt. Schon um sich daran zu klammern, dass er nicht psychisch krank ist und eigentlich gar nicht in eine Klinik gehört, beobachtet Matthias das Treiben auf der Station mit Distanz, Zynismus und Galgenhumor.

Der Protagonist ist eine in mehrfacher Hinsicht zerrissene Figur. Er ist talentiert und intelligent, was er wie ein Schutzschild auch immer wieder betont, und kann sich doch nicht selber helfen, er ist eigentlich bereit sich helfen zu lassen und muss sich gleichzeitig immer wieder von der Klinik und den anderen Patienten abgrenzen.

Die Sprache

Markant ist die Sprache des Romans. Unter häufiger Verwendung von Ellipsen ahmt der Autor den Ton der Umgangssprache nach, mit seinen nicht zu Ende gesprochenen Sätzen, Einschüben und abrupten Wendungen. In den extremsten Momenten klingt das so: „Und dann werden sie sich umsehen. Die andern. Draußen. Dass ich wieder da bin. Unter ihnen. Und schneller. Und besser. Und deutlicher. Als je zuvor.“

Überwiegend entsteht eine sehr authentische Sprache, die den Leser sehr nah an die Figur heranlässt.

Die Depression

Über die Krankheit Depression kursieren ebenso viele Vorurteile wie Halbwissenssplitter. Andreas Keck zeichnet eine ungewöhnliche Facette: das krampfhafte Tasten nach einem Konzept, in dem man Leben, in dem man sich einrichten kann, die Fragen nach dem Sinn und dem Weg, die der Autor glücklicherweise unbeantwortet lässt. Auch wenn der Protagonist nicht immer freundlich über seine Mitpatienten urteilt, so lässt Andreas Keck es nicht zu, dass die Patienten vorgeführt oder veralbert werden.

Der Periplaneta Verlag hat zu diesem Roman von Kerstin Schrader ein Lied komponieren lassen und einen Videoclip gedreht. Warum? Warum nicht.

Der Autor:

Andreas Keck, geboren 1973 in Weißendorn. Studium der Sozialen Arbeit an der FH Benediktbeuern und Studium der Philosophie. Arbeitet als Sozialarbeiter im Ambulanten Psychiatriebereich.

Andreas Keck: Schneeblind. Ein Patientenroman. Periplaneta 2008. Broschiert, 200 Seiten. Euro 12,99.

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